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Solidarität mit den Kolleginnen von DC Berlin-Marienfelde, die seit Monaten selbstständig gegen „ERA"-Lohnraub kämpfen!
By Autoren.Kollektiv
Erstellt Nov 17 2007 - 17:56

Solidarität mit den Kolleginnen von DC Berlin-Marienfelde, die seit Monaten selbstständig gegen „ERA"-Lohnraub kämpfen!



Seit Herbst 2006 kämpfen die Kolleginnen von DaimlerChrysler Berlin-Marienfelde gegen die drastischen „ERA"-Verschlechterungen. Sie haben sehr richtig festgestellt, dass ERA genutzt wird, um ihre Löhne und Gehälter deutlich zu senken und zugleich die Belegschaft zu spalten (z.B. durch Schlechterstellung der Neueingestellten). Vor allem aber haben sie eindeutig die richtigen Konsequenzen gezogen und sich das nicht gefallen lassen. Nachdem klar wurde, dass weder BR noch die VK-Leitung als Gremien noch die zuständigen IGM-Stellen bereit sind, ihren Protest zu organisieren, haben sie ihren Widerstand in die eigenen Hände genommen.


* Als erster Höhepunkt zogen am 28. November 2006 rund 350 Kolleginnen aus allen wich-tigen Hallen mit selbst gemalten Schildern während der Arbeitszeit zum BR. Nach einer kurzen Kundgebung setzte sich ein Demonstrationszug in Richtung Personalabteilung in Bewegung, wo der Personalchef zu einer Stellungnahme gezwungen wurde. In mehreren Abteilungen stan-den die Maschinen bis zu einer Stunde still. Solche kollektive Besuche der BR-Sprechstunden gab es seitdem mehrmals.


* Innerhalb von drei Tagen wurden annähernd 1000 Unterschriften gesammelt, um eine au-ßerordentliche Betriebsversammlung durchzusetzen (bei DC Berlin-Marienfelde sind rund 3.000 Werktätige beschäftigt, in der Produktion stammen rund 80% aus anderen Herkunftsländern).


* Am 1.2.2007 übergab eine Delegation die Unterschriften der BR-Vorsitzenden U. Hass. Bis heute weigert sich der BR jedoch, die Betriebsversammlung einzuberufen, obwohl er nach dem Betriebsverfassungsgesetz dazu verpflichtet ist.
* An der von der VK-Leitung auf Druck der Belegschaft einberufenen IGM-Mitgliederversamm-lung am 20. Februar 2007 beteiligten sich mit 300 Kolleginnen so viele wie noch nie. Auf die Frage hin, wer die außerordentliche Betriebsversammlung unterstütze, standen alle Kolleginnen als Zeichen ihrer Zustimmung auf, lediglich die Mehrheit der anwesenden Mitglieder des BR blieben sitzen!


* Am 9. Mai schließlich kamen ca. 150 Kolleginnen aus dem ganzen Werk zur BR-Sprech-stunde. Alle freigestellten Betriebsräte hatten zuvor das Betriebsratsgebäude verlassen und sich so vor der Diskussion mit den Kolleginnen gedrückt. Einstimmig wurde eine Resolution verabschiedet und beschlossen, sich ab jetzt wöchentlich mittwochs zu treffen, um gegen die Abgruppierungen zu protestieren.


* Am 16. Mai entschieden sich die Kolleginnen kurzerhand, ihren Protest vor das Werkstor zu tragen und damit noch stärker öffentlich zu machen. Kamen am ersten Mittwoch erst 20 Kolle-ginnen vors Tor, waren es nach sechs Wochen bereits 120 Kolleginnen.


Die IGM-Bevollmächtigten K. Abel und A. Hager hatten deutlich gemacht, dass die zuständigen IGM-Stellen absolut nicht gewillt sind, den Widerstand der Kolleginnen gegen den Lohnraub zu unterstützen. Im Gegenteil, sie setzten die zwei Mitglieder des BR, welche sich führend am Kampf beteiligen, massiv unter Druck: Sie forderten diese auf, ihre Mandate als Funktionäre der IG Metall niederzulegen. Den beiden wurde sogar mit dem Ausschluss aus der Gewerkschaft gedroht.


Die Mehrheit des Betriebsrats im Werk Berlin Marienfelde forderte die kämpferischen Betriebs-ratsmitglieder Mustafa Efe und Martin Franke auf, ihr Betriebsratsmandat niederzulegen. Wie eng verwandt Dummheit und Reaktion sind, zeigt sich daran, dass sie die kämpferischen Mit-glieder des BR verleumden unter dem Motto „Keine weitere Spaltung der Belegschaft und des Betriebsrates". Seit wann spaltet man die Belegschaft durch den Kampf gegen Lohnraub??! -
Allerdings sind sie damit bisher nicht durchgekommen angesichts der kämpferischen Kollegin-nen an der Basis und auch angesichts der zunehmenden Solidarität aus anderen Belegschaften und anderer fortschrittlicher Gewerkschafterinnen.


Die Kolleginnen von DC in Berlin-Marienfelde geben ein wichtiges Beispiel und Vorbild dafür, dass es möglich und nötig ist, hier und heute selber den Kampf für berechtigte Interessen aufzunehmen, auch ohne und gegen den Willen von Gewerk-schaftsführern und -bürokraten. Es kommt darauf an, dass alle linken Gewerkschafterinnen und fort-schrittlichen Kräfte diesen Kampf nach Kräften solidarisch unterstützen und bekannt machen.

***


Die Kolleginnen bei DaimlerChrysler Berlin-Marienfelde mussten feststellen, dass sie nicht nur den kapitalistischen Konzern DC als Feind haben, und auch nicht nur die Polizei, welche die Kundge-bungen der Kolleginnen schon schikaniert hat. Sie haben deutlich erfahren, dass auch die zuständigen IG-Metall-Funktionäre sowie die Mehrheit des BR sich ihrem Kampf feindlich entgegen gestellt haben. Ein Kollege berichtet, dass er wegen seiner Teilnahme an einer der Aktionen eine Abmahnung bekommen hat - und dass der BR dieser zugestimmt hat.


Voll berechtigter Wut fragen sich da bei DC Berlin-Marienfelde nicht wenige, ob es da nicht besser sei, gleich aus der DGB-Gewerkschaft IG Metall auszutreten. Das können wir gut verstehen. Dennoch ist das der fal-sche Schritt. Das zeigen unserer Kenntnis nach gerade auch die Erfahrungen bei DC Berlin-Marienfelde selbst: Wie gesagt weigern sich die IG Metall-Funktionäre und die BR-Mehrheit bis heute, entgegen den ein-deutigen Bestimmungen des Betriebsverfassungsgesetzes eine außerordentliche Betriebsversammlung ein-zuberufen. Das zeigt ihre Angst, dass die Kolleginnen auf dem eingeschlagenen Weg weiter machen, näm-lich innerhalb und außerhalb des DGB selbstständig zu kämpfen. Es würde diesen Herrschaften durch-aus in dem Kram passen, wenn die kämpferischen Kräfte bei DC Berlin-Marienfelde nicht mehr innerhalb und außerhalb der IG Metall die Frage nach der innergewerkschaftlichen Demokratie und nach der Politik der Gewerkschaftsführung stellen würden. Nur von außen geht das nämlich nicht.


Allerdings, auch wenn es nötig ist, innerhalb der DGB-Gewerkschaften zu arbeiten, sehen wir genau, dass darin auch Gefahren bestehen. Auf längere Sicht ist die Gefahr groß, angesichts der drohenden Repressalien und permanenten „Rücksichtnahmen" das eigentliche Ziel des selbstständigen Kampfes aus den Augen zu verlieren, faule Kompromisse mit der DGB-Führung und ihrem Apparat einzugehen und dann doch Illusionen aufkommen zu lassen.

Daher betonen wir mit besonderem Nachdruck den Zusammenschluss der fortschrittlichsten Kolleginnen innerhalb und außerhalb der Gewerkschaften für den gemeinsamen und selbst-ständigen Kampf. Letztlich geht es darum, Raum zu bekommen, Verbindungen herzustellen usw., für die selbstständige Organisierung des Klassenkampfes und die gemeinsame Diskus-sion über die Ziele und Grenzen unseres Kampfes im Kapitalismus, und vor allem auch dar-über, wie wir ein für allemal die bestehenden ausbeuterischen Verhältnisse beseitigen können.

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Kontakt: Gewerkschafterinnen und Antifa gemeinsam gegen Dummheit und Reaktion c/o Infoladen Bremen, St. Pauli Str. 10-12, 28203 Bremen, oderemail: gewantifa@yahoo.de [2]
Unsere bisherigen Flugblätter sind auch nachzulesen im Internet unter: www.labournet.de/diskussion/rechten/gewantifa.html [3]

ErscheinungsDatum: 
Jul 2007
OrginalNummer: 
15
AnhangGröße
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Source URL (retrieved on Jan 9 2009 - 20:51): http://gewantifa.antifa.net/content/solidarit-t-mit-den-kolleginnen-von-dc-berlin-marienfelde-die-seit-monaten-selbstst-ndig-geg

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